Uelzen. Der 1951 gegründete Uelzener Flugsportverein widmet sich seit jeher der Ausbildung von Privatpiloten. Jetzt verstärkt eine Frau das sechsköpfige Motorfluglehrer-Team auf dem Flugplatz bei Barnsen: Vereinsmitglied Christine Allerding wurde nach einem fünfwöchigen Lehrgang und bestandener Prüfung behördlich als Fluglehrerin anerkannt und offiziell in die Cumulus-Flugschule aufgenommen.

Wie viele Motorfluglehrerinnen es in Deutschland gibt, ist nicht bekannt. Jürgen Leukefeld, Motorflugreferent beim Deutschen Aero Club in Braunschweig, verweist lediglich auf eine Liste der Interessengemeinschaft der Fluglehrer. Die biete zwar keine Gesamtzahlen, zeige aber wohl eine Tendenz an: Unter den 455 erfassten Fluglehrern sind nur acht Frauen, die Geburtsjahrgänge liegen zwischen 1944 und 1962. Damit dürfte die 27-jährige Motorfluglehrerin Christine Allerding eine Ausnahmeerscheinung sein. Ihre Mission: Nicht nur Männer für die Fliegerei begeistern.

„Dass Tine jetzt als Fluglehrerin tätig wird, ist ein Gewinn für unseren Verein“, freut sich Andreas Scheerer. Der Erste Vorsitzende erinnert an die Anfänge: Christine Allerding habe 2008 ihre Motorflug-Karriere in Uelzen als Senkrechtstarterin begonnen und sich als hoch talentierte Pilotin erwiesen. Innerhalb von anderthalb Jahren brachte sie es zur Privatpilotin für einmotorige kolbengetriebene Flugzeuge. Neben ihrer Berufstätigkeit als technische Redakteurin bei Airbus in Hamburg lernte sie zudem Hubschrauber fliegen und erwarb eine Berufspilotenlizenz. Als „FI-A“ (Flight Instructor Aeroplane) mit einer Gesamtflugerfahrung von rund 560 Stunden ist Christine Allerding nun berechtigt, Privatpiloten von Flächenflugzeugen auszubilden.

Die Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit fast überall in Deutschland zu sein und sogar europäische Nachbarstaaten ansteuern zu können, ist für Allerding, die aus Winsen (Luhe) stammt und als Segelflugschülerin in Lüneburg begann, faszinierend. "Dir stehen ganz andere Reiseziele offen, von den Inseln im Norden bis zu den Alpen“, wirbt sie für die Motorfliegerei. Der Blick von oben helfe ihr, aus dem Stress des Alltags herauszukommen. „Es ist eine besondere Art von Freiheit“, sagt sie. Eine flugbegeisterte Frau, die vor allem eines möchte: Mut machen, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Als Fluglehrerin geht es Christine Allerding auch darum, mit Vorurteilen aufräumen. Zum Beispiel mit der verbreiteten Meinung, die Fliegerei sei besonders teuer, gefährlicher als andere Sportarten und vor allem etwas für Männer. Als ob sich Frauen nicht auch für Technik begeistern könnten. „Wir werden früh in bestimmte Muster gesteckt“, sieht die Pilotin eine Ursache dafür, dass es in der Luftfahrt viel weniger Frauen als Männer gibt. Wer sich für die Fliegerei interessiert, sollte sich unabhängig von Meinungen anderer informieren und „gucken, ob ihm die Sache gefällt“, meint Allerding.

Beim Fluglehrer-Lehrgang im brandenburgischen Kyritz standen neben der Theorie vor allem pädagogische Themen auf dem Stundenplan. „Wir bringt man die Dinge möglichst prägnant rüber“, sei Anliegen dieses Ausbildungsabschnitts gewesen. Im praktischen Teil lernten die angehenden Fluglehrer unter anderem, ein Flugzeug vom rechten Sitz aus zu fliegen, während Ausbilder die Rolle von Schülern einnahmen.

„In der Praxis geht es zum Beispiel darum, Fehler wie das zu hohe Abfangen der Maschine vor der Landung zu erkennen und rechtzeitig einzugreifen“, erzählt die junge Fluglehrerin. Die Übungen hätten ihr geholfen, in kritischen Situationen entspannter zu bleiben: „Es bringt schließlich den besten Lerneffekt, wenn der Schüler einen Fehler selbst bemerkt und korrigiert.“

Am meisten Spaß habe es ihr gemacht, ein Flugzeug per Funk-Navigation ans Ziel zu bringen. Neu dagegen war für sie die Gefahreneinweisung mit sogenannten Trudelübungen: Also ein Flugzeug, das sich nach einem Strömungsabriss im spiralförmigen Sturzflug befindet, sicher wieder abzufangen. „Anderen Menschen das Fliegen beizubringen ist eine interessante, aber auch fordernde Aufgabe“, ist sich Christine Allerding bewusst.

Wer sich für eine Segel- oder Motorflugausbildung interessiert, trifft an den Wochenenden in der Regel mindestens einen der Fluglehrer auf dem Flugplatz Uelzen an.  Informationen zur Ausbildung gibt es zudem auf den Internetseiten des Flugsportvereins Cumulus: www.flugplatz-uelzen.de.

 

Bericht & Foto: Hartmut Merten