Voll die Böen. Voll die Sonne. Voll das Erlebnis.

Wikipedia sagt: „Meteorologisch wird von einer Bö gesprochen, wenn der gemessene Zehn-Minuten-Mittelwert der Windgeschwindigkeit innerhalb weniger Sekunden (maximal 20, mindestens drei Sekunden anhaltend) um mindestens 5,0 m/s (10 kn) überschritten wird.“ Alles klar?

In unserer Flugschüler-Woche durften wir diese Beschreibung vom böigen Wind eingehend lernen. Und zwar live! Aber so was von live! Okay, wir hatten es bereits am ersten Tag kapiert, aber wer auch immer hielt es für angemessen, uns eine volle Wind-Lehr-Woche zu verpassen. Damit war also schon mal der äußere Rahmen der Motorflugschüler-Woche 2016 gesteckt. Und damit wäre aber auch der einzige Meckerpunkt beschrieben. Denn ansonsten war die Woche für uns alle der Knaller.

Alle, das waren: Heiko, Joachim, Martin, Kerstin, Ramona, Udo-Arno, Angelo, Marco, Fred, Waldemar und ich. Als Fluglehrer waren Arnold, Roland und Christian B. dabei. Jürgen G. war unser Chef-Organisator und auch als Flugleiter im Einsatz – unterstützt von Manfred, Christian H., Blumi, Hartmut M. und Nicholas K. Pünktlich zur Mittagszeit flog dann immer Birgit ein, um uns mit ihren leckeren Sachen zu verwöhnen. Und damit wäre jetzt auch der personelle Rahmen geklärt.

Jeder Tag begann mit dem obligatorischen 09:00-Frühstück. Eine tolle Sache, die so mancher von uns in Zukunft vermissen wird. Nicht zuletzt wegen Waldemars Kunst, uns mit einer seiner Zubereitungs-Kreationen eines Frühstückeies zu überraschen: Brat-Ei auf Schinken, gekochtes Ei würzig gebraten oder Rührei mit Schinken und Tomaten – von wegen schnöde 5-Minuten-Eier aus dem Topf.

Jürgen nutzte das Frühstück für seine organisatorischen Tages-Mitteilungen: wer macht was, wann, wie und wo. Wichtigster Vortragspunkt: wer bringt morgen die Brötchen mit. Schon am ersten Tag wurden Angelo und Udo-Arno als Planer und Organisatoren des fliegerischen Ablaufs vergattert. Eine Aufgabe, die von den beiden fair und konsequent wahrgenommen wurde. Diskussionen über „wer fliegt wann, mit wem und womit“ waren somit ausgeschlossen.

Tja, und dann wurde geflogen. Und geflogen. Und geflogen. Je nach Ausbildungsstand ging ´s zur Sache. Und wer nicht gerade flog, fand sich in einer kleinen Theorie-Runde wieder. Oder durfte auch mal entspannen und die volle Sonne genießen. Den späteren Sonnenbrand inklusive.

Fliegerisch hatte wohl jeder das eine oder andere Highlight. Martin z.B. ging erstmals auf Langstrecke. Das Ziel: Langeoog. Der Flugauftrag: Fischbrötchen-Bestellung abholen. Die Bestellungen wurden pünktlich abends 21:00 geliefert. Dass Marco nicht mehr auf dem Platz war und seinen Matjes erst 3 Tage später verdrücken konnte, ist dem Lieferservice nicht anzulassen. Was soll ´s, er hat es überlebt. So auch seinen „GCA = Ground Controlled Approach“ mit Roland in Faßberg. Eine irre Nummer, die er trotz Ritt durch die Böen toll meistern konnte. Schade, dass er bis auf die letzten Meter wenig davon sehen konnte.

Fred und Udo-Arno durften sich neben ihrer Flüge ein paar Stunden als „50h-Kontrolle-Helfer“ an der JO austoben. Auch dieser Einsatz verlief wohl erfolgreich, denn danach flog sie einwandfrei weiter. Und während Angelo stets aufmerksam seine Flieger-Listen durchsetzte, Joachim in allen Fliegern seine Erfahrungen machte durfte, Ramona ihrer geliebten TY untreu wurde und die JO neu entdeckte, verflog für uns die Woche im wahrsten Sinne des Wortes wie im Fluge. Selbst so manche Kaffee-Pause hatte ihre Highlights: mal Kuchen aus dem „Hause Neugebohren“ oder eine „Geheimrezept-Kaffee-Spezialität“ von Waldemar. Und am Abend dann die gemeinsamen „Schummerstunden-Runden“ mit Grillwurst und ´nem Bierchen.

Erst Freitag am Abend wechselte das Programm: der Wind drehte, es würde merklich kühler und wir machten uns an die ICAO-Karten. Der Ausflug nach Heringsdorf via Müritz und über Ruppiner Land zurück nach Uelzen musste geplant werden.

Vorher jedoch setzten wir uns alle zu einem „Danksagungs-Kreis“ zusammen. Mit einer kleinen Aufmerksamkeit, ´nem bunten Kärtchen und den netten Worten von Martin, konnten wir unsere Wertschätzung der Einsätze von Fluglehrer, Flugleiter und Birgits Betreuung zum Ausdruck bringen. Und an dieser Stelle noch einmal im Namen aller Schüler: DANKE! 

Am Samstag 11:00 ging es dann mit SZ und JO gen Osten. Müritz Airpark empfing uns mit einer riesigen Betonpiste und einem großen Info-Schild, auf dem der besagte Airpark präsentiert wurde: kleine Häuser die direkt mit dem Flieger angerollt werden können. Na ja, wenn ´s denn irgendwann mal fertig ist.
Nach Heringsdorf ging es über Sierra in die CTR. Für € 6,50 Landegebühr durften wir auch an- und abfliegende Turboprops und sogar kleine Düsenliner erleben. Im „Hangar 10“-Restaurant wurde First Class gespeist und danach ab ins Fliegermuseum. Tolle Oldtimer, fast alle flugbereit, weckten unser Staunen und vielleicht so manchen Traum.

15:00 hoben wir ab nach Rupiner Land, nordwestlich von Berlin. Beim Endanflug hieß es über Funk „Springer in 2 Minuten“. Kurz danach hingen 18 Schirme in der Luft. Und gleich darauf landete auch schon die Cessna-Caravan. Da mussten wir natürlich hin: reingucken, anfassen und die fette Turbine bestaunen. Nach dem Tanken ging ´s dann zurück in die Heimat. Zwei kurze Regenschauer wurden dabei als wirksame Flieger-Waschhilfen dankbar mitgenommen. So konnte man sich relativ schnell im Vereinsraum zu einer abschließenden Runde zusammensetzen und langsam wieder auch mental auf den Boden zurückkehren.

Ach. Das war ´ne tolle Woche. 

Bericht: Udo Sierks